3. Juni 2026
Vom Profi zum "Präsi"
Wenn der TC Atzbach sein 50-jähriges Bestehen feiert, wartet auf die Zuschauer ein besonderes Highlight: Ex-Profi Lucas Gerch, einst unter den Top 300 der Weltrangliste, tritt zum Showkampf gegen seinen Kölner Bundesliga-Kollegen Hazem Naw an. Doch Lucas betritt dann nicht nur als Spieler den Platz – sondern inzwischen auch als neuer Präsident des TCA. In unserem großen Vorschau-Interview spricht der 30-Jährige unter andrem über den Wechsel vom Profitennis ins Vereinsleben, die Jubiläumsveranstaltungen und seine Pläne für den Club darüber hinaus.
Lucas, Hand aufs Herz: Wie groß war der Kulturschock vom ATP-Tourleben zum Vereinspräsidenten in Atzbach?
Natürlich gibt es viele Unterschiede, aber man muss auch sagen: Tennis bleibt Tennis und dadurch sind viele Dinge ähnlich, was mich auch teilweise überrascht.
Was war schwieriger: Gegen Topspieler auf der Tour zu bestehen oder die erste Vorstandssitzung zu überleben?
Die erste Vorstandssitzung hatte es ganz schön in sich, das kannte ich noch gar nicht und wusste nicht genau, was mich erwartet. Ich wurde aber ganz toll aufgenommen und habe mich sehr schnell wohl gefühlt bei uns im Vorstand.
Wie kam überhaupt der Kontakt zum TC Atzbach zustande?
Meine Freundin Paula spielt schon seit ein paar Jahren in Atzbach und wir wohnen keine fünf Minuten vom Verein entfernt. Und als ich mich entschieden habe, meine Profikarriere zu beenden, kam dann der Kontakt zum Verein ziemlich schnell.
Was reizt dich an der neuen Rolle des TCA-Vorsitzenden am meisten?
Ich bin in genau so einem Verein wie dem TCA groß geworden und finde es spannend und schön, Teil vom Vereinsleben zu sein. Mit der Rolle als Vorsitzenden habe ich Anteil, dieses Leben zu gestalten.
Welche Ideen oder Visionen bringst du als ehemaliger Profi in so einen Verein mit?
Meine Vision liegt darin, den Tennissport zu fördern und einen Ort zu schaffen, wo sich viele Menschen treffen und Gemeinschaft über den Sport entsteht.
Willst du eher „nahbarer Vereinsmensch“ oder eher „sportlicher Antreiber“ sein?
In Atzbach will ich eher der nahbare Vereinsmensch sein, meine sportlichen Ambitionen sind hauptsächlich in Köln in der Bundesliga abgedeckt.
Du hast bei internationalen Turnieren gespielt – was macht den Charme eines kleinen Vereins wie Atzbach besonders?
Der Charme liegt für mich zum einen in der Ruhe, die man in Atzbach findet, aber auch die Menschen und die Gemeinschaft, die bei internationalen Turnieren leider oft fehlt.
Wie wichtig sind solche Vereine heute noch für den Tennissport in Deutschland?
Ich finde, dass vor allem kleine Vereine extrem wichtig sind und sie leider auch oft übersehen werden. Sie legen aber das Fundament und bieten die Möglichkeit, dass mehr Menschen zum Tennissport kommen, was für mich das Wichtigste ist.
Wie oft habt ihr euch im Training oder in der Bundesliga schon gegenseitig geärgert?
Wir trainieren während der Bundesliga regelmäßig, aber da würde ich sagen, versuchen wir uns so wenig wie möglich zu ärgern, dass genug Energie für die Gegner übrig ist. Wir haben bisher dreimal gegeneinander gespielt, bisher liege ich noch 2:1 vorne.
Wird das ein lockeres Showmatch oder geht’s am Ende doch ums Ego?
Man ist zwar entspannter bei so einem Match wie auf einem Turnier, aber trotzdem wollen wir beide gewinnen und versuchen, den anderen zu schlagen.
Auf welche Spielstile und sportlichen Schmankerl dürfen sich die Zuschauer freuen?
Ja, wir sind zwei sehr unterschiedliche Spielertypen, Hazem ist Rechtshänder, beidhändige Rückhand und relativ glatte Schläge. Und ich bin Linkshänder, einhändige Rückhand und spiele mit deutlich mehr Spin.
Und ganz ehrlich: Wer gewinnt?
Das kann man vorher wirklich immer nicht sagen. Aber ich hoffe, ich kann den Heimvorteil nutzen und ihn besiegen.
50 Jahre TC Atzbach – was bedeutet so ein Jubiläum für einen Verein?
50 Jahre sind eine lange Zeit und ich finde, es ist ein wichtiger Meilenstein, den man auf jeden Fall feiern sollte. Ich hoffe, dass wir dem dieses Jahr gerecht werden und der TCA zu altem Glanz erblüht..
Plant ihr künftig öfter solche besonderen Veranstaltungen?
Ja, ich glaube, mit meinen Kontakten in die Tenniswelt habe ich da schon die Möglichkeit, öfter Veranstaltungen beim TCA zu planen. Wir sind gespannt, wie es bei den Leuten ankommt und freuen uns auf alle, die auf unsere Anlage kommen.
Wenn du deinem jüngeren Ich auf der Profi-Tour sagen würdest, dass du irgendwann Präsident eines Dorfvereins wirst – was hätte er geantwortet?
Das hätte mein jüngeres Ich nur lächelnd abgewunken, das ist schon eine ganz andere Welt, aber ich bin glücklich, jetzt hier im Dorfverein zu sein.
Zum Abschluss: Was erwartet die Gäste beim Jubiläum – und warum sollte man unbedingt zum Showkampf, aber auch zu den weiteren Veranstaltungen vorbeikommen?
Bei dem Showmatch könnt ihr hautnah, hochklassiges Tennis und spannende Ballwechsel erleben. Außerdem wird natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt.